Karl-Heinz Heddergott (04/80 - 10/80)

Geb.-Datum: 27.08.1926

Geburtsort: Düsseldorf /D

Nationalität:

Der „Meistertrainer“ Hennes Weisweiler verließ nach fünf Bundesliga-Partien ohne Sieg am 15. April 1980 den 1. FC Köln. Vorangegangen war am 12. April 1980, dem 28. Spieltag, die 0:1 Niederlage bei Hertha BSC Berlin nach einem Eigentor von Bernd Schuster in der 73. Spielminute. Die „Geißböcke“ standen auf dem 4. Platz mit 32:24 Punkten und hatten den unmittelbaren Kontakt zu den Spitzenreitern Hamburger SV und FC Bayern München, mit jeweils 40:16 Punkten, damit verloren. Der schon geraume Zeit vor sich hin schwelende Konflikt mit dem Präsidenten Peter Weiand, Teilen der Mannschaft und der Kölner Medienlandschaft veranlasste daraufhin Hennes Weisweiler, das geraume Zeit schon vorliegende, fürstlich belohnte Angebot, von Cosmos New York anzunehmen und die Zelte in Deutschland abzubrechen. Das war eine bedeutende Meldung für die Medien und wurde für den Fußball als Verlust aufgefasst; dass allerdings mit dem DFB-Trainer Karl-Heinz Heddergott als Nachfolger des Trainers eine sofortige Lösung bereit stand, übertraf sogar das Medien-Echo auf die Weisweiler-Demission.

Das erste Spiel für den neuen Bundesliga-Trainer stand am 26. April beim 1. FC Kaiserslautern auf dem Betzenberg an. Jetzt konnten die Spieler zeigen, dass sie nach der „Befreiung“ von der leistungshindernden Autorität Weisweilers zu neuer Spielfreude fähig wären, gefördert noch durch die kommunikative Gabe des neuen Mannes am Regie-Pult. Aber es ging kein Ruck durch die Mannschaft, es gab mit 0:2 Toren eine weitere Niederlage.

Entscheidender war die Niederlage im DFB-Pokal Finale am 4. Juni 1980 gegen Fortuna Düsseldorf mit 1:2 Toren. Nach dem 2:0 Auswärtserfolg bei Schalke 04 im Halbfinale am 10. Mai nach Treffern von Pierre Littbarski und Tony Woodcock kehrten neuer Mut und Zuversicht in die Domstadt ein. Jetzt wurde auf den Neubeginn in der Runde 1980/81 gesetzt. Personell wurde der gute Kader noch mit dem Spanien-Heimkehrer Rainer Bonhof und dem Schweizer Nationalspieler René Botteron verstärkt. Im Kader befanden sich auch ohne die zwei Neuzugänge mehrere Internationale: Schumacher, Cullmann, Konopka, Zimmermann, Schuster, Neumann, Dieter Müller, Woodcock, Okudera.

Der KICKER schrieb in seinem Sonderheft zur Saison 1980/81 über die Situation beim 1. FC Köln:

„‚Eine Zäsur kündigt sich an. Endgültiges Ende der Weisweiler-Ära, Neuanfang bei Null!‘
Keineswegs in Frage gestellt, wie eine seit geraumer Zeit im Schwabenland beliebte Formulierung lautet, ist Trainer Heddergott. Der Spätberufene im Bundesligageschäft, der den an seinen letzten Arbeitstagen phlegmatischen und nur noch ‚cosmo(s)politisch denkenden‘ Hennes Weisweiler ablöste, sitzt felsenfest im Sattel. Heddergott steht allerdings auch vor der großen Bewährungsprobe. Der sich verwegen ins Profiabenteuer stürzende ehemalige DFB-Trainer, nach Weisweilers frühzeitiger Abdankung bei seinem ‚Aushilfsjob‘ in der abgelaufenen Spielzeit noch nicht zur Rechenschaft gezogen, steht nun in der Verantwortung. Die neue Geißbock-Elf muss seine Handschrift tragen. Daran wird er gemessen. Köln hat Könner zuhauf. Diese zu einem Team zusammen bringen, das anzuknüpfen vermag an das Double-Jahr von 1978, ist Heddergotts Auftrag. Eine Aufgabe, die es in sich hat.“

Die Saison begann jedoch schlecht für den 1. FC Köln. Schon nach dem 8. Spieltag kam das Ende für Heddergott. Mit 7:9 Punkten und 15:18 Toren auf dem 12. Platz stehend, war für ihn die Bundesligatrainertätigkeit beim 1. FC Köln beendet. Die Profis konnten mit dem „Schöngeist“ und vor allem als „Theoretiker“ geschmähten Heddergott nichts anfangen, benutzten ihn sogar als Ausrede für ihre ungenügenden Leistungen und verbalen Entgleisungen. Bereits nach fünf Spielen verließ Bernd Schuster den Verein.

Auch der Nachfolger, der frühere Erfolgstrainer von Ajax Amsterdam, Rinus Michels, feierte seinen Einstand in Kaiserslautern. Die Mannschaft zeigte bei der 1:5 Niederlage dem Niederländer dabei sofort ihre wankelmütige Leistungsbereitschaft.

Die Bundesligatätigkeit von Karl-Heinz Heddergott war aber damit beendet, und „der Meister der Lehre“ war ab sofort für den deutschen Fußball verloren. Nimmt man die andauernden Expertenanalysen ernst, dass den Jugendlichen das „Spielen auf der Straße/Wiese“ fehlt, so ist dem Ansatz von Heddergott mit dem Postulat „die Häufigkeit der Auseinandersetzungen des Spielers mit Wettkampfsituationen“ führt zu richtigem Wettkampfverhalten, auch heute noch oder gerade heute, voll und ganz beizupflichten. Daran ändert auch seine unglückselige Tätigkeit beim 1. FC Köln nichts.

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