Rinus Michels (10/80 - 08/83)

Geb.-Datum:  29.11.1953  - 03.03.2005

Geburtsort: Amsterdam /NL

Gestorben: Aalst /NL

Nationalität:

Michels begann seine Fußballerkarriere 1940, kurz nach dem Einmarsch Deutschlands in die Niederlande bei Ajax Amsterdam. 1946 spielte er erstmals in der A-Mannschaft. Bis 1958 erzielte er als kopfballstarker Stürmer 121 Tore in 269 Partien für seinen Verein [Anmerkung: andere Quellen zählen 120 Tore in 257 Spielen] und errang mit ihm den Meistertitel in den Jahren 1947 und 1957. Außerdem spielte er 5 mal für die Nationalmannschaft der Niederlande (Oranje). Dort erzielte er aber keine Tore. Die Mannschaft, die damals weit entfernt vom Niveau der heutigen war, erlitt mit Michels als Spieler nur Niederlagen.

Nach seiner aktiven Zeit studierte er in Amsterdam Sportwissenschaft an der Academie van Lichamelijke Opvoeding und ließ sich zusätzlich zum Masseur und Krankengymnasten ausbilden. Danach arbeitete als Lehrer an einer Schule für taubstumme Kinder. Als der niederländische Fußballverband Anfang der 1960er erstmals eine Trainerausbildung abhielt, erwarb Michels nebenbei die Fußballlehrerlizenz.

Seine Trainerlaufbahn begann Michels bei den Amateurvereinen JOS Amsterdam und AFC Amsterdam. 1965 stellte ihn Ajax als Trainer ein. Der Verein durchlitt vorher einen sportliche Talfahrt, ihm drohte der Abstieg und nur kurz vor Michels Amtsantritt hatte Ajax mit einem 4:9 gegen Feyenoord Rotterdam die höchste Niederlage der Vereinsgeschichte erlitten. Ajax, das damals talentierte Spieler wie Johan Cruijff, Wim Suurbier und Sjaak Swart besaß, litt vor allem an der Desorganisation und Undiszipliniertheit der Mannschaft. Der Disziplinfanatiker Michels konnte dies ändern. Ajax erlangte unter ihm in den folgenden Jahren vier mal die niederländische Meisterschaft (1966, 1967, 1968, 1970) sowie drei mal den Pokalsieg (1967, 1970, 1971). 1971 gewann er mit seinem Team – nachdem es 1969 in diesem Wettbewerb hinter dem AC Mailand schon Zweiter geworden waren – den Europapokal der Landesmeister. Der Weltklassespieler Cruijff sagt über seine Zeit unter Michels „Sowohl als Spieler wie auch als Trainer, lehrte mich niemand so viel wie er ... Ich habe seine Führungskraft immer bewundert.“

1971 wechselte er zum FC Barcelona, bei dem er mit seinen Vorstellungen von Disziplin und Taktik erst auf Probleme stieß. Ajax erreichte in den beiden darauf folgenden Jahren zwei weitere Europapokalsiege. In den Augen vieler spielte die Mannschaft unter dem neuen Trainer Stefan Kovacs kreativer, da er den Spielern mehr Freiheiten ließ.

Anfänglich ließen die Erfolgen für Michels in Barcelona auf sich warten. Erst als Cruijff Michels nach Barcelona nachfolgte, gelang 1974 die spanische Meisterschaft.

Während der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland war Michels Nationaltrainer der Niederlande (Bondscoach). Wie zuvor bei Ajax drängte Michels in der Vorbereitung auf eine Professionalisierung und Disziplinierung des Teams, auch bei der Oranje Elftal führte er sein System des „Totalen Fußballs“ ein. Er prägte so den niederländischen Fußball bis heute und gilt dementsprechend auch als „Vater des niederländischen Fußballs.“ Sein Team beeindruckte bei seiner ersten WM-Teilnahme seit dem Zweiten Weltkrieg durch eine moderne Spielweise und eine Reihe hervorragender Einzelspieler wie Johan Cruijff und Johan Neeskens. Viele Fußballexperten hielten es für das spielstärkste Team des Turniers und klaren Favorit für das Finale. Trotz einer Vielzahl von Chancen und teilweise überlegener Spielweise verlor es jedoch gegen Deutschland mit 1:2.

Nachdem er in der Saison 1975/76 wieder Ajax Amsterdam trainiert hatte, ging er ein zweites Mal zum FC Barcelona, mit dem er 1978 den spanischen Pokal gewann. Darauf folgten zwei Jahre Trainertätigkeit beziehungsweise in Michels Worten „bezahlter Urlaub“ in den USA bei den Los Angeles Aztecs.

Von 1980 bis 1983 war Michels in der Fußball-Bundesliga für den 1. FC Köln tätig. Er wurde damit der damals bestbezahlte Trainer der Liga. Probleme gab es, weil der DFB seine niederländische Trainerlizenz nur widerwillig und erst nach einiger Zeit anerkannte. In Köln, wo der vorherige Trainer Karl-Heinz Heddergott vorher den Spielern viel Freiraum gelassen hatte, gab es ähnliche Eingewöhnungsprobleme wie in Barcelona. Das Team um Rainer Bonhof, Pierre Littbarski und Toni Schumacher wurde in der ersten Saison nur Achter. 1982 verstärkte er das Team unter anderem mit Klaus Allofs und Klaus Fischer und zog die Intensität des Trainings weiter an. Schumacher, der mit Michels auch privat befreundet war und während des größten Teils der Kölner Zeit ebenso loyal zu Michels stand wie dieser zu Schumacher fasst es zusammen:

Michels war ein knochenharter Kerl, abgrundtief gehasst und geachtet zugleich. ... Das Training war eine einzige Quälerei: Gymnastik, Laufen bis zur Erschöpfung, 'angefeuert' durch beleidigende Bemerkungen wie 'Kriecher', 'Flaschen', 'Idioten', 'Dilettanten'. Meine Freunde Pierre Littbarski und Klaus Allofs waren zutiefst gekränkt, glühend vor Wut, fühlten sich wie Sklaven behandelt. Es drohte ein regelrechter Aufstand. ... Rinus Michels konnte nie nett sein; wie kein anderer konnte er seinen Spielern auch noch den letzten Rest an Humor austreiben, sie erniedrigen.
Köln gelang ein wichtiges 4:0 über Bayern München, der Verein wurde Herbstmeister und mit drei Punkten Rückstand auf den HSV deutscher Vizemeister. 1983 gewann das Team den DFB-Pokal mit einem Sieg über den Lokalrivalen SC Fortuna Köln. Die Zeit in Köln war nicht frei von Konflikten. Littbarski, der ein wesentlich distanziertes Verhältnis zu Michels hatte als Schumacher sagt rückblickend:

Vielleicht besaß er wirklich ein strategisches Geschick, und der moderne Fußball zeigt, dass er eine Vision hatte, die heute bereits Realität ist. Aber für Individualisten wie mich war er tödlich. ... Er wollte einfach meinen Willen brechen, mir meine Spielfreude austreiben und aus mir jemand anderen machen.
Ab 1984 wirkte Michels als Technischer Direktor der niederländischen Nationalmannschaft. 1986 übernahm er auch wieder den Trainerposten. Bei der Fußball-Europameisterschaft 1988 in Deutschland triumphierte er dieses Mal über Deutschland im Halbfinale mit 2:1, und erreichte damit die Revanche für die Niederlage von München. Sein Team mit Ruud Gullit und Marco van Basten gewann anschließend im Finale in München durch einem 2:0-Sieg über die Sowjetunion die Europameistermeisterschaft.

Nach der erfolgreichen Europameisterschaft wechselte er erneut in die Fußballbundesliga zu Bayer 04 Leverkusen. Nach enttäuschenden Ergebnissen entließ ihn der Verein jedoch kurz vor dem Ende der Saison 1988/1989 vorzeitig. Obwohl finanziell lukrativ, empfand er das Engagement als sportlichen Abstieg. Er konstatierte: In Köln bin ich an den Stars gescheitert. In Leverkusen daran, dass keine Stars da sind. Die Spieler hier sind viel zu brav für das Fußballgeschäft. Die Mannschaft ist einfach nur Mittelmaß.

Nach dem Ausscheiden der Niederländer bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien gegen Deutschland wurde Rinus Michels erneut Nationaltrainer des Landes. Nach der Niederlage (im Elfmeterschießen) gegen den späteren Europameister Dänemark nahm er im Sommer 1992 endgültig Abschied von der Trainerbank. Später übernahm er noch verschiedene beratende Aufgaben für den nationalen Fußballverband und die UEFA. 1999 verlieh ihm die FIFA die Auszeichnung als Trainer des Jahrhunderts.

Michels starb nach einer Herzoperation im belgischen Aalst.

  

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